Golf? Für Tobias Kaiser undenkbar. Als Fußballer und Tennisspieler sei er die längste Zeit der Prototyp eines Antigolfers gewesen, erzählt er. Wer ihm, dem gebürtigen Mainzer, mit Golf gekommen sei, den habe er belächelt. Es brauchte schon einen Mannschaftskameraden aus seinem Tennis-Team, einen den Kaiser ernstnahm, damit er sich überhaupt auf einen Ausflug auf eine Golfanlage eingelassen habe. Dort schlug es voll ein. Heute, zwölf Jahre später, ist es „Tobi“ Kaisers Beruf, Menschen im Mainzer Golfclub zum Golfspielen zu animieren. Könnte es dafür jemand Geeigneteres geben?
Leiter des neuen Mainzer Golf Hubs
Seit Anfang September arbeitet Kaiser als Leiter des neugeschaffenen Mainzer Golf Hubs. Dazu zählt die Driving-Range, der 6-Loch-Platz und der Indoorgolf-Bereich des Clubs. „Meine Aufgabe ist es, diese drei zu beleben“, erklärt Kaiser. Durch Events, aber auch durch mehr Aufenthaltsqualität. Dafür packt er selbst kräftig mit an. Am Freitag half Kaiser, der Range-Hütte einen neuen Anstrich zu verpassen, nachdem zuvor die Wände abgeschliffen werden mussten. „Es wäre blöd gewesen unser neues tolles Golf Hub-Logo einfach auf die alte Wand draufzuklatschen“, so der 38-Jährige.
Vor seiner Anstellung im Mainzer Golfclub hat Kaiser, Masterabschluss in Sportwissenschaften und Biologie, für das dänische Familienunternehmen Trackman gearbeitet. Er hat Golfclubs beim Aufbau von Trackman-Ranges beraten und betreut, aber auch Privatkunden mit eigenem Golfsimulator. Auch auf der Mainzer Driving-Range gibt es die Trackman-Technik. Zuletzt wurden gerade die Bildschirme erneuert, die nun mit 32 Zoll die größten auf dem Markt sind. An der Rückseite der überdachten Abschlagboxen wurden halbrunde Tische montiert und Barhocker aufgestellt. „Unser Ziel ist es, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen und dadurch eine längere Verweildauer der Golferinnen und Golfer“, so Kaiser.
Jeden Mittwoch zwischen 17 und 20 Uhr lädt der Mainzer Golfclub nun zum „After Work“ auf die Range – und Kaiser, der Mainzer Ranger, ist mittendrin. Mitglieder zahlen 15 Euro, Gäste 20 Euro für unbegrenzte Rangebälle, kühle Getränke und bei Bedarf sogar Leihschläger inklusive. Loungemusik im Hintergrund sorgt für ein lockeres Ambiente.
Tobias Kaiser: "Warum nicht Golf statt Bowling?"
„Warum nicht, statt mit Freunden auf die Bowlingbahn zu gehen, einfach mal bei uns vorbeischauen?“ Mit diesem Vorschlag spricht Kaiser über die sozialen Medien explizit auch Nicht-Golfer in der Studentenstadt Mainz an. Eine Anmeldung ist notwendig, weil die Teilnehmerzahl auf 36 begrenzt ist. „Viermal haben wir jetzt schon unser After Work veranstaltet und die Hälfte der Teilnehmer sind Gäste, also keine Mitglieder unseres Clubs“, freut sich der Initiator. „Zu uns kommen Menschen, die Golf ausprobieren wollen oder Anschluss suchen.“

Gemütlichkeit und Golf vor Sonnenuntergang
Seit vielen Jahren zieht der Driving Range Sundowner im Mainzer Golfclub sogar Golferinnen und Golfer anderer Clubs an.
Zum ArtikelNeben seiner Entwicklungsarbeit am Golf Hub unterstützt Tobias Kaiser auch das Team am Counter. „Da bekommt man schnell einen Eindruck davon, wie sehr das Alltagsgeschäft einen einbindet und auch betriebsblind machen kann“, sagt er. Der Vater einjähriger Zwillinge (Handicap 6) versucht daher, wenn möglich, regelmäßig auch draußen auf den Golfplatz zu kommen. „Golf ist der beste Sport, den es gibt“, ist er überzeugt. „Die sportliche Herausforderung, das Generationenübergreifende und die Natur sind eine unschlagbare Kombination.“
Golf Hub bietet eine Mitgliedschaft an
Leute, die – wie Kaiser früher – kein gutes Haar an Golf ließen und die gängigen Klischees vom unzugänglichen Sport verbreiteten, störten ihn heute massiv. Für das Image hätten Golferinnen und Golfer jahrzehntelang selbst gesorgt, das gesteht er ganz unverblümt. „Aber heute entspricht das nicht mehr der Realität“, beteuert der einstige Skeptiker. Um Golfinteressenten ein niederschwelliges Angebot zu machen, biete das Mainzer Golf Hub selbst eine Mitgliedschaft an, die diverse Vergünstigungen auf der Golfanlage beinhaltet.
„Ich kann mich noch gut an meine eigenen Anfänge erinnern“, berichtet Kaiser. „Ich war damals total angefixt, habe viele Runden auf dem Kurzplatz in Domtal Mommenheim gedreht und mir sehr schnell einen Satz gebrauchte Golfschläger gekauft.“ Dem golfenden Bösewicht, der noch immer gerne im Tatort oder anderen Filmen auftauche, sei er beim Golf nie begegnet.